Zeitschrift Dezember 2019

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Susans Geschichte

Ich konnte es nicht durchziehen

Ich möchte, dass jede, die das liest, weiss, dass man es ohne Mann schaffen kann. Ich hatte Sex mit jemandem, den ich ja «s000» mochte. Nein, ich plante nicht, schwanger zu werden – ich wollte ihm damit einfach nur zeigen, wie sehr ich ihn liebte und dachte, er empfindet genauso. Das war mein erster Fehler. 

Als ich herausfand, dass ich schwanger war, hatte ich Angst. Ich habe es früh gewusst und der Arzt sagte mir, dass alles auf eine Fehlgeburt hindeuten würde und ich das Baby wahrscheinlich nicht zur Welt bringen könnte. Also wartete ich eineinhalb Wochen darauf, dass die Fehlgeburt losging, aber nichts passierte – zumindest dachte ich das. Nach dieser Zeit ging ich wieder zum Arzt und war immer noch schwanger! Ich hatte Angst, denn ich war erst neunzehn und am College, noch dazu Sportlerin. Ich hatte noch so viel vor, bevor ich ein Kind bekommen wollte. Ausserdem wollte ich mit dem Vater meines Kindes zusammen sein, finanziell abgesichert sein und das Studium abgeschlossen haben. Doch es kam alles nicht so, wie ich mir das ausgemalt hatte. Ich war total gegen Abtreibung bis ich selber in der Situation war. Ich konnte aber trotzdem nicht daran denken, mein Baby zu töten. Noch wollte ich kein Kind – ich dachte daran, wie sehr mein Leben dann ruiniert wäre. Und das alles nur deshalb, weil ich wollte, dass mich dieser eine Typ mag! 

Ich dachte immer mehr an eine Abtreibung. Ich ging in die Klinik und redete mit dem Arzt über die Kosten und den Vorgang. Aber ich änderte meine Meinung – ich konnte es einfach nicht tun! Ich erzählte aber niemandem davon, denn ich wollte es zuerst dem Vater des Kindes sagen. Doch ich bekam gar nicht die Möglichkeit. Ich schrieb ihm, aber er schrieb mir nicht zurück. Wir sahen uns jeden Tag in der Schule, aber er tat so, als wäre ich unsichtbar. Ich war so wütend, denn das war genau das, was ich hatte vermeiden wollen. 

Ich bat meine Freunde um Hilfe und schliesslich sprach er mit mir. Aber es war nicht das, was ich zu hören hoffte. Er sagte, dass er nichts mit mir und dem Baby zu tun haben wollte. Ich war also auf mich allein gestellt. Er sagte noch andere schlimme Sachen, aber dieser Satz hat mich am meisten verletzt. Ich konnte das einfach nicht allein schaffen. Mein Baby sollte nicht ohne seinen Vater sein. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn ein Elternteil nicht da ist, und wollte das meinem Kind einfach nicht antun. Ich wollte das Beste für mein Kind und ich dachte, am besten kommt es gar nicht erst auf die Welt. So traf ich eine impulsive Entscheidung, die ich den Rest meines Lebens bereuen werde. 

Ich muss meine Geschichte einfach erzählen, weil ich will, dass jede, die das liest, weiss, dass man es ohne Mann schaffen kann. Denke nie, dass du es nicht kannst! Wenn der Vater nicht da sein will, dann ist er selbst schuld, denn er versäumt was! 

Ich habe nonstop geweint. Alles erinnert mich daran, wie wertvoll mein Kind gewesen wäre. Ich weiss gar nicht mehr, wer ich eigentlich bin. 

Bitte, bitte, bitte, denke das Ganze von vorne bis hinten durch, denn was getan ist, ist getan! Man kann die Zeit nicht mehr zurückdrehen – egal, wie sehr man es will. 

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